Mit dem Frühjahr beginnt für die Jägerschaft Waldburg eine Zeit wichtiger Aufgaben. Neben der jährlichen Begehung der Vergleichsflächen zur Ermittlung des Verbissgrades stehen auch die Kitzrettungsaktionen bevor. Zudem möchten wir uns bei einem langjährigen Wegbegleiter bedanken.
Begehung der Vergleichsflächen
Auch heuer findet im Frühjahr die Begehung der Vergleichsflächen statt. Diese speziell eingerichteten Flächen dienen dazu, den Verbissgrad durch Wild zu erfassen und bilden die Grundlage für die Abschussplanung.
Vergleichsflächen sind eingezäunte Waldstücke, in denen das natürliche Wachstum ohne Wildverbiss beobachtet werden kann. Durch den direkten Vergleich mit den umliegenden, ungeschützten Flächen lässt sich feststellen, in welchem Ausmaß Wildtiere die Vegetation beeinflussen. Die Abschussplanung wird auf Basis dieser Daten angepasst, um eine Balance zwischen Wildbestand und Waldentwicklung zu gewährleisten.
Die Jägerschaft Waldburg verfolgt das Ziel, den Wildbestand nachhaltig zu regulieren. So soll sichergestellt werden, dass sowohl der Wald als auch das Wild langfristig in einem gesunden Gleichgewicht bleiben.
Dank an Mayr Karl
Ein großes Anliegen ist es uns, Mayr Karl für seinen langjährigen Einsatz als Wildschadenskommissionsobmann zu danken. Diese Aufgabe erfordert nicht nur Fachwissen, sondern auch ein gutes Gespür für faire Lösungen zwischen Waldbesitzern, Landwirten und Jägern.
Karl hat über Jahre hinweg mit großem Engagement und Sachverstand dazu beigetragen, eine sachliche und gerechte Bewertung von Wildschäden zu ermöglichen. Sein Einsatz war für alle Beteiligten von unschätzbarem Wert.
Kitzrettung mit Drohnen: Schutz für Jungtiere
Mit den ersten Mäharbeiten im Frühjahr beginnt auch die Kitzrettung im Gemeindegebiet. Der Einsatz moderner Drohnentechnologie hat sich in den letzten Jahren bewährt, um Rehkitze rechtzeitig zu finden und zu retten.
Dennoch kann es vorkommen, dass eine Drohne nicht wie gewünscht startet – in diesem Fall greifen wir auf die bewährte Methode zurück: zu Fuß durch das hohe Gras! Wir bitten die Landwirte daher um Verständnis, wenn die Rettungsaktionen manchmal etwas länger dauern. Ebenso bitten wir um Nachsicht, falls dabei das hohe Gras leicht zertreten wird. Die Suche erfolgt mit größter Vorsicht, doch der Schutz der Jungtiere hat oberste Priorität.
Noch wichtiger ist die frühzeitige Abstimmung mit den Landwirten. Wir bitten alle, uns rechtzeitig über geplante Mähtermine zu informieren. Dies hilft, die Einsätze effizient zu koordinieren und unnötige Verzögerungen zu vermeiden. Ebenso bitten wir darum, uns zu benachrichtigen, falls eine geplante Mahd kurzfristig doch nicht stattfindet – so können Ressourcen gespart und andere Flächen priorisiert werden.
Ein gemeinsames Anliegen
Rehkitze folgen ihrem Instinkt und ducken sich bei Gefahr regungslos ins hohe Gras. Während diese Strategie in der Natur sinnvoll ist, wird sie beim Mähen zur tödlichen Falle. Das Tierschutzgesetz schreibt vor, dass vermeidbare Verletzungen und Tötungen von Wildtieren verhindert werden müssen.
Uns ist bewusst, dass auch Landwirte großen Wert auf den Schutz der Wildtiere legen. Gemeinsam können wir mit frühzeitiger Abstimmung und Zusammenarbeit dazu beitragen, unnötige Verluste zu vermeiden und gleichzeitig die landwirtschaftliche Arbeit zu erleichtern.
Wildtierwissen
Spannende Fakten zum FeldhasenDer Feldhase (Lepus europaeus) ist eine der bekanntesten heimischen Wildarten und ein wichtiger Bestandteil unserer Kulturlandschaft. Sein Lebensraum umfasst offene Felder, Wiesen und lichte Wälder, wo er sich dank seines hervorragenden Tarnfells und seiner schnellen Sprints vor Feinden schützt.
Lebensweise und Anpassung
Feldhasen sind dämmerungs- und nachtaktive Tiere. Tagsüber ruhen sie in sogenannten „Sassen" – flachen Mulden im Boden, die ihnen Schutz vor Feinden bieten. Bei Gefahr bleibt der Feldhase meist regungslos, um nicht entdeckt zu werden. Erst im letzten Moment flüchtet er mit Haken schlagenden Sprüngen, wobei er Geschwindigkeiten von bis zu 70 km/h erreicht.
Ernährung und Fortpflanzung
Als reiner Pflanzenfresser ernährt sich der Feldhase von Kräutern, Gräsern, Knospen und landwirtschaftlichen Kulturen. Die Fortpflanzungszeit erstreckt sich von Januar bis Oktober. In dieser Zeit setzt die Häsin bis zu viermal im Jahr zwei bis vier Junge, die bereits behaart und sehend geboren werden.
Bestandsentwicklung und Schutz
In den letzten Jahrzehnten sind die Bestände des Feldhasen regional zurückgegangen. Ursachen sind intensive Landwirtschaft, Lebensraumverlust, zunehmender Druck durch Fressfeinde und Witterungsextreme. Jagdlich wird der Feldhase deshalb in vielen Regionen mit Zurückhaltung bejagt. Nur durch gezielte Maßnahmen kann der Feldhase langfristig als Teil unserer heimischen Wildtierwelt erhalten bleiben.