Q3 · 2025 · Gemeindeblatt Waldburg

Herbstjagd 2025 – Einsatz, Geduld und ein bisschen Rücksicht

Mit Mitte August hat die Herbstjagd begonnen – eine der intensivsten Zeiten im jagdlichen Jahr. Während viele Menschen den Spätsommer für Spaziergänge, Schwammerlsuchen oder eine Laufrunde nutzen, bedeutet diese Phase für uns Jäger lange Stunden draußen im Revier.

Der Abschussplan – Vorgabe und Verantwortung

Der Abschussplan für heuer ist klar vorgegeben und verlangt die Entnahme einer größeren Anzahl an Rehen. Diese Vorgabe stammt von der Behörde und dient mehreren Zielen: Der Wildbestand soll gesund bleiben, junge Bäume dürfen nicht durch Verbiss geschädigt werden, und auch die Verkehrssicherheit wird verbessert. Jeder, der schon einmal einen Wildunfall erlebt hat, weiß, wie gefährlich das sein kann – für Tier und Mensch.

Damit der Plan erfüllt wird, braucht es Einsatz und Geduld. Jagd ist nicht bloß Tradition, sondern auch Arbeit und Verantwortung. Oft sitzen wir Jäger bis in die Dunkelheit hinaus, beobachten, warten und hoffen auf eine saubere, weidgerechte Chance. Zwischen Ansprechen, Schuss und Bergen vergehen oft Stunden.

Jagd ist nicht bloß Tradition – sie ist Arbeit, Verantwortung und langer Atem zugleich.

Unsere Bitte: Ein bisschen Rücksicht im Wald

Gerade in dieser Zeit bitten wir alle, die den Wald nutzen, um ein klein wenig Rücksicht: Bleibt besonders am Abend auf den öffentlichen Wegen. Das ist keine Einschränkung, sondern eine Frage der Sicherheit. Nicht immer lässt sich der Jagdbetrieb am Auto eines Jägers erkennen. Viele sind zu Fuß im Revier unterwegs, sitzen lange still oder pirschen sich leise an. Oft bleibt das für Spaziergänger völlig unbemerkt.

Darum ist es umso wichtiger, gerade in den Abendstunden auf den Wegen zu bleiben – so wissen wir Jäger, wo Menschen unterwegs sind, und können unsere Arbeit sicher und konzentriert erledigen.

Danke – das Miteinander funktioniert

Zum Glück halten sich die meisten Spaziergänger ohnehin daran. Dafür sagen wir ein herzliches Danke! Es zeigt, dass das Miteinander zwischen Jägerschaft und Bevölkerung funktioniert, wenn jeder ein bisschen Verständnis aufbringt. Ruhe im Revier erleichtert unsere Arbeit, und auch das Wild verhält sich natürlicher, wenn es nicht ständig aufgescheucht wird.

Darum unsere Bitte: Habt in den nächsten Wochen Verständnis, wenn die Jäger vermehrt draußen sind. Wir erfüllen damit unseren gesetzlichen Auftrag, sorgen für gesunde Bestände und einen stabilen Wald. Gleichzeitig bleiben wir Naturfreunde, die den Wald ebenso schätzen wie jeder Spaziergänger.

Feldjagd nach der Ernte

Ein besonderes jagdliches Thema im Herbst ist die Feldjagd nach der Ernte. Wenn die Felder abgeerntet sind, zieht das Wild vermehrt auf die Stoppelflächen. Dort lassen sich Rehe gut ansprechen, gleichzeitig bieten diese Flächen eine wertvolle Gelegenheit, den Abschussplan zu erfüllen. Auch Fuchs und anderes Raubwild sind nun verstärkt unterwegs – eine Zeit, in der die Jagd besonders abwechslungsreich ist.

In diesem Sinne wünschen wir allen einen schönen Herbst. Mit ein wenig Rücksicht funktioniert das Miteinander bestens. — Weidmannsheil, Eure Jägerschaft Waldburg
Rehbock im Mühlviertler Revier

Wildtierwissen

Spannende Fakten zum Rehwild

Das Reh ist das bei uns am häufigsten vorkommende Schalenwild. Viele Spaziergänger sehen es regelmäßig, doch die meisten kennen nur einen Bruchteil seiner spannenden Eigenheiten.

Konzentratselektierer

Rehe sind sogenannte Konzentratselektierer. Das heißt, sie fressen nicht wie Hirsche große Mengen Gras, sondern suchen gezielt die energiereichsten Pflanzenteile: Knospen, Kräuter, junge Triebe. Dadurch sind sie sehr wählerisch.

Der besondere Fortpflanzungszyklus

Die Rehbrunft findet Ende Juli bis Mitte August statt. Nach der Begattung entwickelt sich der Embryo jedoch nicht sofort. Die Natur hat hier einen Trick eingebaut: Die befruchtete Eizelle ruht mehrere Monate in der sogenannten Keimruhe. Erst ab Dezember setzt die eigentliche Entwicklung ein. So kommen die Kitze im Mai oder Juni zur Welt – genau dann, wenn die Natur genug Nahrung bietet.

Standorttreue

Rehe sind sehr standorttreu. Oft bewegen sie sich ihr ganzes Leben lang in einem relativ kleinen Gebiet, dem sogenannten „Einstand". Dort kennen sie jede Deckung und jeden Wechsel. Bei Gefahr flüchten sie nur kurz und kehren dann meist wieder zurück.

Energie sparen im Winter

Im Winter senkt das Reh seine Körpertemperatur leicht ab, um Energie zu sparen. Es wirkt dann ruhiger, fast ein wenig „träge". Dieses Verhalten ist überlebenswichtig in Zeiten, in denen das Nahrungsangebot knapp ist.

Das Geweih – ein Rekordwachstum

Nur die männlichen Rehe, also die Böcke, tragen ein Geweih. Dieses wird jedes Jahr im Spätherbst abgeworfen und im Winter neu gebildet. Das Geweih wächst erstaunlich schnell – bis zu drei Millimeter am Tag! So unscheinbar Rehe oft wirken: Sie sind hochangepasste Wildtiere, die viele faszinierende Geheimnisse bergen.

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