Die Kitzrettungssaison liegt hinter uns. Wieder waren die Waldburger Jäger in den frühen Morgenstunden unterwegs, haben Wiesen abgesucht und konnten viele Kitze rechtzeitig in Sicherheit bringen. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Es steckt viel Aufwand dahinter, und es funktioniert nur, weil Jäger und Landwirte an einem Strang ziehen.
Dass es nicht immer gut ausgeht, zeigt das Bild.
Es wurde vor einigen Jahren in unserer Gemeinde aufgenommen, aus der Luft, mit der Drohne der Jägerschaft. Man sieht das verletzte Kitz im Schwad, daneben die Geiß, die es nicht verlassen wollte. Das Kitz musste von der Jägerschaft noch vor Ort erlöst werden. Solche Bilder bleiben im Gedächtnis.
Wir zeigen dieses Foto nicht, um zu erschrecken oder um jemandem Vorwürfe zu machen. Wir zeigen es, weil es besser als jede Erklärung vermittelt, warum diese Arbeit wichtig ist. Kitzrettung machen wir, weil kein Tier unter dem Mähwerk sterben soll. Das war immer so und das bleibt so.
Dass es dabei auch einen Aspekt gibt, der für die Landwirtschaft nicht unwichtig ist, ist vielleicht weniger bekannt. Deshalb möchten wir es kurz erklären.
Ein toter Tierkörper in der Silage kann das Vieh gefährden
Ein gemähtes Kitz, das mit ins Erntegut gerät und einsiliert wird, kann für Rinder zum Problem werden. Das Bakterium Clostridium botulinum findet in einem Silageballen ideale Bedingungen vor: kein Sauerstoff, Feuchtigkeit, organisches Material. Es produziert dort ein starkes Gift, das sich unsichtbar im gesamten Ballen verteilt — kein Geruch, keine Verfärbung, kein Hinweis von außen. Betroffen sein kann übrigens auch ein einzelner Vogel oder eine Maus im Schwad. Die Größe des Tierkörpers spielt dabei keine Rolle.
Rinder, die von solcher Silage fressen, können daran sterben. Die Tiere zeigen Lähmungserscheinungen, können nicht mehr schlucken, brechen zusammen. Eine wirksame Behandlung gibt es nicht. Das ist keine Theorie, sondern dokumentierte Realität, die in Österreich immer wieder vorkommt.
Eine Impfung wäre zwar grundsätzlich möglich, ist in der Praxis aber mit erheblichem Aufwand verbunden. Im deutschsprachigen Raum gibt es keinen zugelassenen Impfstoff gegen Botulismus beim Rind. Der einzig verfügbare muss aus Südafrika importiert werden, und das nur mit behördlicher Ausnahmegenehmigung. Der beste Schutz bleibt daher nach wie vor die Vorbeugung: kein belastetes Futter verfüttern und Tierkörper erst gar nicht ins Erntegut gelangen lassen.
Kitzrettung hilft also gleich doppelt. Dem Wild und dem Bauern.
Seltener Anblick: eine weiße Rehgeiß mit ihrem Kitz.
Wissen aus dem Revier
Die Rehgeiß als MutterWer ein Reh kennt, kennt meistens das Bild: ein scheues Tier, das beim kleinsten Geräusch davonspringt. Doch wer eine Rehgeiß mit Kitz erlebt hat, sieht eine andere Seite.
Abstand aus Schutz, nicht aus Kälte
Kurz nach der Geburt verlässt die Geiß ihr Junges tagsüber regelmäßig. Das wirkt kalt, ist aber das Gegenteil. Das Kitz hat noch kaum Eigengeruch. Je weiter die Mutter weg ist, desto weniger verrät sie den Liegeplatz an Füchse oder andere Feinde. Sie beobachtet aus der Distanz und kehrt nur zum Säugen zurück.
Eine starke Bindung
Die Bindung ist trotzdem stark. In Gefahrensituationen bleibt die Geiß beim Kitz – auch wenn sie sich damit selbst gefährdet. Sie flieht nicht, sie weicht nicht. Dieses Verhalten lässt sich auch durch Lärm oder Menschen kaum unterbrechen.
Ein kurzes, aber starkes Band
Nach etwa vier Wochen folgt das Kitz der Mutter überallhin. Mit Beginn der kalten Jahreszeit löst sich die Bindung allmählich. Das Kitz zieht seinen eigenen Weg.
Wer in unserem Revier eine weiße Rehgeiß sichtet, darf sich glücklich schätzen – sie ist äußerst selten.